Aus der Werkstatt
Warum IRON VOWS nicht am 1. Oktober erschienen ist
Ende September kam das Feedback meiner Testleserinnen. Vieles davon war schöner, als ich zu hoffen
gewagt hatte: die Geschichte, Nora, Konstantin, der Cliffhanger – das trägt. Und in einem Punkt
waren sich alle einig: Dieses Buch kann mehr, als ich ihm bis dahin gegeben hatte. Sie hatten
recht. Ich wollte es nicht so veröffentlichen, wie es war, sondern so, wie es sein soll.
Deshalb habe ich den Erscheinungstermin auf den 11. November verschoben und den Roman noch einmal
durchgeschrieben, Szene für Szene. Dieselbe Geschichte, derselbe Vertrag, Zürich, Klausel 14,
derselbe Cliffhanger – nur näher dran: mehr Nora, mehr Konstantin, mehr von dem, was zwischen den
beiden passiert. Aus rund 51.000 Wörtern sind rund 70.000 geworden. Kapitel 3, die Nacht in Zürich,
ist um gut die Hälfte länger als vorher. Nicht, weil mehr passiert. Sondern weil ihr jetzt dabei
seid, wenn es passiert.
Danke an alle, die vorab gelesen haben und ehrlich zu mir waren. Ihr habt das bessere Buch möglich
gemacht.
Wie das Buch entstand
Der erste Satz
„Nicht, dass du es getan hast. Dass es funktioniert hat.“
Das ist der Satz, den ich zuerst hatte. Vor Nora, vor Konstantin, vor dem Vertrag. Ich wusste nur:
Eine Frau sagt das zu einem Mann, und es ist das Schlimmste, was sie ihm sagen kann – weil es wahr
ist, für beide.
Das ganze Buch ist um diesen Satz herum entstanden. Er steht ziemlich genau in der Mitte.
Aus dem Vertrag
Klausel 14
Der Ehevertrag hat zweiunddreißig Seiten und eine Laufzeit von vierundzwanzig Monaten. Klausel 14
ist die einzige Stelle, die Nora selbst diktiert hat: getrennte Schlafräume, keine Verpflichtung,
beiderseitig, jederzeit widerrufbar.
Konstantin hat sie unverändert gelassen. Er hat sie von seiner Anwältin so formulieren lassen, dass
Nora es schwarz auf weiß lesen kann: Was in Zürich passiert ist, kommt in diesem Haus nicht vor.
Die Klausel hält nicht. Wer sie bricht, steht nicht im Vertrag.
Noras Regel
280 Watt
Nora fährt jeden Abend neunzig Minuten auf dem Indoor-Bike, wattgesteuert. Bei 280 hört sie auf.
Jeden Tag, seit Jahren. Nicht, weil sie nicht weiterkönnte. Jenseits von 280 fährt der Körper ohne
sie, der Kopf wird still, und dahinter liegt ein Punkt, an dem nicht mehr sie entscheidet. Sie hat
früh gelernt, was es heißt, in einem Haus zu leben, in dem jemand anders entscheidet. 280 ist kein
Trainingswert. Es ist ihre Regel.
Konstantin Rausch hat auch eine. Er fasst nichts an, das ihm nicht gehört – keine Firma, bevor der
letzte Anteil übertragen ist, keinen Menschen, bevor er unterschrieben hat. Zwei Menschen, die sich
eine Grenze gesetzt haben, um nie wieder jemand anderem zu gehören. Das ist der Kern dieses Paars.
Und der Vertrag ist der Versuch, es trotzdem zu tun.
Warum Dual POV
Zwei Köpfe, ein Vertrag
IRON VOWS ist aus beiden Perspektiven erzählt, Kapitel für Kapitel im Wechsel. Nicht, weil das
gerade alle machen, sondern weil die Geschichte sonst nicht funktioniert: Nora glaubt, dass sie in
Zürich zum ersten Mal in ihrem Leben etwas gewählt hat, das niemandem gehört. Konstantin weiß,
„wer den Raum gebaut hat, in dem sie steht“ – ihr kennt den Satz vom Klappentext.
Ihr lest beides. Ihr wisst in jeder Szene mehr als die beiden – und könnt trotzdem nichts tun.
Seine Kapitel sind die kältesten im Buch. Ihr werdet ihn nicht mögen. Ihr werdet trotzdem wissen
wollen, was es ihn kostet.
Die Orte
Halle 3 und eine Bar in Zürich
Halle 3
Zwölf Bearbeitungszentren, vier laufen. Die anderen acht stehen unter grauen Planen. Es riecht
nach Kühlmittel, Spänen und altem Öl, das in den Beton gezogen ist und nie wieder herausgeht.
Für Nora ist das der Ort, an dem sie nicht die Tochter vom Chef ist. Für Konstantin der Ort, an
dem sein Vater vor sechsundzwanzig Jahren gestanden hat – und den er abreißen lassen will.
Die Bar
Freitag, 18. September, 20:03 Uhr. Dunkles Holz, ein Barkeeper, der keine Fragen stellt, am
Fenster ein Paar, das sich nichts mehr zu sagen hat. Zwei Gläser stehen auf einem Hocker, den
Nora nicht nimmt. Sie setzt sich einen weiter.
Alles, was danach kommt, hat sie gewählt. Was sie nicht gewählt hat: wer am Fenster sitzt. Das
versteht sie drei Monate später, in derselben Bar, auf dem dritten Hocker.
Die Nebenrollen
Vier Menschen, die mehr wissen, als sie sagen
-
Erdal Kaya
Hallenmeister in Halle 3, seit 1994 im Betrieb
Er nennt Nora Frau Doktor und meint es nicht ironisch. Er hält ihr die Lampe, wenn sie den Kopf
in der Maschine hat. Und er sieht Konstantin Rausch, als der zum ersten Mal die Halle betritt,
eine Sekunde zu lang an.
-
Isa Rausch
Konstantins Halbschwester, neun Jahre jünger, seine Anwältin
Der einzige Mensch, der mit ihm redet, als wäre er nichts Besonderes. Sie hat den Ehevertrag
geschrieben, alle zweiunddreißig Seiten. Und sie hat ihm am Telefon gesagt, dass man sich
heute keine Frau kaufen kann. Er hat aufgelegt.
-
Frau Aydin
Die erste Frau im Beirat der Wendland Werke
Als der Vater im Sitzungssaal verkündet, dass seine Tochter im November heiratet, ist sie die
Einzige am Tisch, die sagt: „Das ist nicht Ihr Ernst.“ Zur Hochzeit schickt sie weiße Lilien.
Mit Karte: Ich stimme trotzdem dagegen. A.
-
Maren
Noras Freundin seit dem ersten Semester, Journalistin
Zwei Quellen, bevor sie einen Namen weitersagt. Sie ruft immer an, wenn Nora nasse Haare hat.
Sie stellt die Fragen, die ihr auch stellen würdet – und bekommt nicht immer eine Antwort.